Niemals so wie Ihr

(Präludium)

Wenn ich erzählte, ich trennte mich davon,

was mich am Leben hindert.

Um dann lachend zu verbluten -

Ich wäre ein Irrer - ich werde niemals so sein wie Ihr


Ich muss mich nicht dafür entschuldigen,

dass ich der bin, der ich bin.

Und auch, wenn ich ein anderer wäre -

ich werde niemals so sein wie Ihr


Und wenn ich mich umsehe -

Ist dort ein anderes Ich?

Ein anderes Ich außer meinem anderen Ich?

Nein - ich werde niemals so sein wie Ihr


(Interludium)

Was war ich doch für ein braves Kind:

wohl gewachsen, verheißungsvoll und nicht dumm -

doch kaum entdeckte ich die Stimme, meine Stimme,

und spürte ich Eure wachsende Angst

um Eure Uniformen, Euren Dreck,

und fand ich Liebe, die Ihr nie geben könnt -

Eure Wut, Euer Zorn loderten auf,

brannten nieder, was auf wackligen Stelzen gebaut war ...


Warum ich manche Texte noch immer

mit tränenerstickter Stimme vortrage?

Weil ich mit Inbrunst lache, weil -

Ich werde niemals so sein wie Ihr


Was kann ich dafür, dass ich 

ein Licht im Schatten¸ ein Sehender unter Blinden,

ein Stück Holz im Meer, nicht Kiesel im Beton bin?

Nein - ich werde niemals so sein wie Ihr


(Postludium)

Und auch, wenn ich im Schatten Eurer goldenen Straßen stehe -

ich werde niemals so sein wie Ihr

Und auch, wenn ich Zeilen schreibe, die niemals Euch rühren werden -

ich werde niemals so sein wie Ihr

Und auch, wenn Ihr mich eines Nachts im Grab verscharrt -

ich werde niemals so sein wie Ihr


 
© 2009 dennis m stamm